• 20.04.2020
  • Corona-Krise

„Dividenden und Kurzarbeit? Wie passt das denn zusammen? Die einzige opferbare Größe in einer Krise ist der Gewinn“

Geschäftsführer Ernst Prost mit einem Plädoyer gegen „unkontrollierten Kapitalismus“ und für soziale Marktwirtschaft

Mahlzeit, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

Letzte Woche habe ich es der Presse bereits geschrieben und soeben kam auch ein kurzer Beitrag im ARD Mittagsmagazin: In manch einer  („Schmuddel“)-Ecke der Wirtschaft werden gerade über die Ausschüttung von Dividenden fette Gewinne verteilt – aber zugleich wird „Staats-Knete“ abgegriffen! Gar nicht schön, eher schon obszön. Frech und unanständig auf alle Fälle. Da wird die geldgeile Seite eines unkontrollierten Kapitalismus sichtbar. Man kann doch nicht mit der linken Hand Kurzarbeitergeld kassieren oder anderweitige Staatshilfen einfordern und mit der rechten Hand zugleich Millionen und Milliarden Euros an Anleger verteilen.

Verantwortungsvolle Unternehmensführer halten ihr Geld jetzt zusammen und verteilen es nicht an Aktionäre, institutionelle Vermögensverwalter und milliardenschwere Hauptaktionäre. Die Zeiten nach dem letzten Bilanzstichtag zum 31.12. haben sich dramatisch verschärft. Cash ist jetzt King. Also besser die Gewinne im Unternehmen lassen. Alles andere ist unvernünftig. Unverschämt jedoch ist es – und auch gegen jede kaufmännische Regel – Gewinne des letzten Jahres auszuschütten und zugleich Steuergelder kassieren zu wollen. Ist in Frankreich z.B. per Gesetz verboten. Wer Staatshilfen, sprich Steuergelder haben möchte wird mit einem Dividendenausschüttungsverbot belegt.

Wer hierzulande nicht den einfachen Bettelweg zum Staat gehen möchte, sondern sich von Banken retten lassen will kann dies auch nur dann tun, wenn er ebenfalls auf Dividendenausschüttung verzichtet. Da passen die Chefs der Geld-Institute schon auf...Anders kann es doch aber auch gar nicht sein. 
Kurzarbeitergeld durch den Staat zu bezahlen ist ein wunderbares Instrument, um Arbeitslosigkeit in der Belegschaft zu verhindern. Es darf aber nicht dazu missbraucht werden, um die Lohnkosten im Unternehmen zu drücken und damit wiederum die persönlichen Gewinne zu sichern. Auch Kurzarbeitergelder sind Steuergelder!

Gott sei dank sind wir familiengeführten Mittelständler (das so genannte Rückgrat der deutschen Wirtschaft) weitaus mehr den Menschen als dem Kapital verpflichtet. Da geht es um Verantwortung für die Menschen, um Arbeitsplätze, um die Gesellschaft und das Land, nicht um schamlose Profitmaximierung! Wie habe ich schon in der letzten Krise vor 12 Jahren entschieden: „Wir werden weder an unseren Leuten sparen, noch an unseren Konzepten und klugerweise auch nicht an unserer Zukunft. Die einzige opferbare Größe in einer Krise ist der Gewinn.“  Würde ich so etwas auf einer Aktionärsversammlung sagen, würde ich wahrscheinlich ganz schnell von der Bühne geschmissen und meinen Job wäre ich auch los.

Ich fand es schon immer abartig und pervers, dass Aktien-Kurse nach oben gehen, wenn der Vorstand Entlassungen verkündet. Da braucht man sich nicht wundern, wenn viele Menschen dieser Wirtschaftsform den ausgestreckten Mittelfinger zeigen. Besonders diejenigen, die jetzt unverschuldet den Job verloren haben und sich in Hartz IV retten müssen. Im Rahmen einer Bedürftigkeitsprüfung muss man sich nackig machen bevor man auch nur einen einzigen Euro vom Staat bekommt und sein eigenes Vermögen einsetzen –  und wenn es gleich die eiserne Reserve ist. Da ist nix mit beidhändigem Gewinne/Dividenden verteilen und gleichzeitigem Unterstützungsgeld kassieren...Nein, der Vergleich hinkt nicht. Beides mal geht es um Steuergelder.

Jeder der Aktien kauft, möchte verdienen – am Kurs und durch Dividenden. Dagegen ist nichts zu sagen, ganz im Gegenteil. Aber wer die unternehmerischen Gewinn- Chancen wahrnehmen möchte, muss auch die unternehmerischen Risiken tragen. Deshalb kann man nicht einfach Gewinne in guten Jahren privatisieren und Verluste in schlechten Jahren sozialisieren, sprich der Allgemeinheit rein drücken. Möchten natürlich viele – schon klar. Deshalb ist da auch nichts mit gut zureden getan, sondern nur mit Gesetzen und Vorschriften. Keine Bank dieser Welt leiht irgendeiner Firma Geld und sieht zu, wie dieses Geld postwendend als Dividende in die Taschen der Aktionäre wandert. Ausnahmsweise könnte sich der Staat mal an dieser Stelle ein Beispiel an den Banken nehmen.

Ich bin eindeutig gegen jede Form von unkontrolliertem Kapitalismus als pure Geldvermehrungsmaschine, sondern stehe für die Freie Soziale Marktwirtschaft. Die Betonung liegt auf frei und noch mehr auf sozial. In jeder Krise wird sichtbar, wer wo steht.

Und natürlich haben auch weder Gauner noch Betrüger in der Krise Kurzarbeit angemeldet, und kein Krimineller entdeckt jetzt plötzlich sein anständiges Herz, nur weil ein Corona-Virus aufgetaucht ist. Im Gegenteil, wie man sieht und liest sind jetzt gerade die besonders aktiv, die sich zu Unrecht oder gar auf kriminelle Art und Weise bereichern. 
Ich hoffe wirklich sehr, dass diejenigen in unserem Staat, die jetzt das große Geld verteilen, auch dafür sorgen, dass dieses Geld in die richtigen Hände gelangt – in die Hände derer, die es brauchen. Auch hoffe ich, dass jede Form von Subventionsbetrug oder unrechtmäßiger Bereicherung vor dem Hintergrund der Hilfspakete zur Bekämpfung der Corona-Krise massiv verfolgt wird.

Es ist ja nicht das Geld von Herrn Altmaier oder Herrn Scholz, über das wir hier reden. Es sind schlichtweg Steuergelder, die wir alle miteinander wieder erarbeiten müssen. Es ist unser Geld.... Milliardenschwere Konzerne, die jetzt gerne Gewinne ausschütten möchten, können dies gerne tun – sollten aber die Hände von unserem Geld, dem Steuergeld, lassen! 

Die Schulden, die wir jetzt zur Krisenbewältigung machen, müssen unsere Kinder mal zurückzahlen. Oder sogar noch deren Kinder –  wenn wir nicht aufpassen! Es ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und vorne weg der Wirtschaft, diesen Schuldenberg nicht unnötig noch größer zu machen, als er ohnehin schon werden wird. Da ist es eine Frage der Ehre, die sich jeder ehrbare Kaufmann stellen muss, ob er in dieser Zeit auch noch bis zu den Ellbogen in die Staatskasse greifen will oder nicht.

Ihr 

Ernst Prost