• 23.04.2020
  • Corona-Krise

„Ratzfatz anstatt asap“

Geschäftsführer Ernst Prost erklärt, wie die Krise sich positiv auf die Arbeitsweise auswirkt, weil überflüssige Diskussionen ausbleiben und alle noch mehr an einem Strang ziehen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zurzeit macht es richtig Spaß Chef zu sein. Wo früher lange rumdiskutiert wurde, höre ich heute nur noch ein: “Mache ich!“. „Finalisiert“ wird auch nicht mehr so häufig. – Wird jetzt gleich beim ersten Mal fertig und richtig gemacht.... Und dieses bescheuerte „asap“ ist einem „ratzfatz“ gewichen. „Geht nicht“ gibt’s auch nicht mehr und „keine Zeit“ schon zweimal nicht. Ein Traum für jeden, der es gewohnt ist voranzugehen ohne sich ständig umdrehen zu müssen, ob die Mannschaft auch mitgeht. Wunderbar, wie heute in kurzer Zeit entschieden und realisiert wird. Kein langes und breites Diskutieren, kein mühevolles und langatmiges, meinungsbildendes Meeting im großen Kreis. Kein „ja aber“. Kein „wisset se“ und kein “ich han gedenkt“. Kein „ich kenne da jemand, der mal von jemandem gehört hat, dass es anders herum viel besser wäre“.

Fantastische Bedingungen für einen Typen wie mich. Verantwortung übernehmen, entscheiden, durchziehen - als Mannschaft. Im Grunde genommen haben WIR immer schon so gearbeitet, aber jetzt in dieser Situation haben wir die Schlagzahl noch einmal drastisch erhöht und dafür die Reaktionszeiten deutlich verkürzt. Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen, sage ich da nur...

Nicht falsch verstehen, die wirtschaftliche Krise ist schlimm und das Virus ist katastrophal. Daran kann ich grundsätzlich nichts ändern, aber ich kann jetzt auf dem Platz, auf dem ich stehe, mein Bestes geben und tun, was getan werden muss. Einige nennen mich „Kribek“... die Abkürzung für „Krisen Bekämpfer“. Gefällt mir. „Optimist Prime“ habe ich auch schon gehört. – Ja, ich bin optimistisch und ich glaube an das Gute und das Positive, an das Konstruktive und an das Schöne. Ich mag mich nicht einreihen in die Reihe der Untergangspropheten und auch nicht in die Wehklagen einstimmen, die jetzt allenthalben zu hören sind. Krisen bewältigen heißt erst einmal viel arbeiten – und nicht viel jammern. Für den Erfolg gilt übrigens das gleiche....

An unserer gemeinsamen Arbeit habe ich große Freude und viel Spaß. Denken und machen. Gestalten und umsetzen. Nicht lange fragen, sondern loslegen. Mit aller Kraft, mit aller Leidenschaft und mit aller Lust. Zum Leuchtturm wird man nur durch Enthusiasmus und Begeisterung. Und wir sind ein Leuchtturm in unserer Branche und darüber hinaus vielleicht sogar in der ganzen deutschen Wirtschaft. In ein paar Monaten wird diese Zeit vorbei sein – eine sehr intensive Zeit des kreativen Erschaffens von Neuem. Eine Zeit, in der die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Eine Zeit, in der die Gesellschaft zusammenhält und die Menschen wieder zusammen rücken....

Ich fürchte mich jetzt schon vor der Zeit, wenn diese extreme Schaffensphase wieder vorbei ist – und zugleich der Egoismus die Empathie wieder verdrängt.... Ich hoffe, dass wir nicht allzu sehr wieder in Routine zurückfallen und in die üblichen Verhaltensmuster von Reichsbedenkenträgern, die immer mit einem „ja, aber“ auf irgendetwas hinweisen, oder zu bedenken geben, dass möglicherweise irgendetwas – von dem man aber nicht weiß was es ist – dagegen sprechen könnte. Lieber hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und dafür auch etwas tun als immer nur schwarz malen und alles besser wissen.

Ich habe meine Arbeit schon immer geliebt, aber seit ein paar Wochen erlebe ich noch einmal eine Steigerung um 100 %. Ich bin in meinem Element. Wir bewegen etwas, wir gestalten, wir erbringen Leistung, wir werden gebraucht, wir stiften Nutzen und wir erschaffen Werte. Wir laufen zur Hochform auf. Das ist ein unglaublich gutes Gefühl. Dafür bin ich dankbar. Wir müssen die Dinge, die wir nicht ändern können, akzeptieren. Aber die Dinge, die wir ändern können, müssen wir mit aller Kraft anpacken. Eine schöne Aufgabe inmitten dieser gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krise, die unsere ganze Welt erfasst hat. Es wird weniger geschwätzt und dafür viel mehr gemacht.

Auch die üblichen „Follower“ sind nicht mehr ganz so präsent: Finanzamt, Berufsgenossenschaft, Gewerbeaufsichtsamt, sonstige Behörden und Bürokraten interner und externer Abstammung…. Datenschutz-Grundverordnungs-Vorschriften sind zwar immer noch existent, aber nicht mehr alles beherrschend. Auch die Ordner mit Compliance Regeln sind die letzten zwei Monate nicht mehr dicker geworden.... Alles in allem ein schönes Arbeiten, ungestört und zielgerichtet, schnell und zackig. Mit dem Fokus auf das Existentielle und nicht auf das Nebensächliche. Zeit zum Aufblühen, Zeit um alles zu geben. Jetzt geht es um das Wichtige im Leben – um das Überleben von Menschen und um deren Gesundheit, genauso wie um das Überleben von Firmen und deren Arbeitsplätze.

Ihr

Ernst Prost