• 24.04.2020
  • Corona-Krise

„Fluchen ist der Stuhlgang der Seele“

LIQUI MOLY-Geschäftsführer Ernst Prost über energisches Anpacken statt ängstlichem Wegducken

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Weggefährten,

wenn Fluchen der Stuhlgang der Seele ist, dann habe ich eine hervorragende Verdauung :-) Nein, ich möchte nichts in mich reinfressen. Schon weil es meine Seele belasten würde.... Diese Krise deckt ja schon so allerlei auf. Dreimal am Tag fällt mir der Spruch ein: Den wahren Freund erkennt man nur in der Not. Da gibt es Überraschungen in beide Richtungen ... Aber auch Hölderlins Erkenntnis, dass da, wo die Gefahr zunimmt, auch das Gute und Rettende erwächst, kann man jeden Tag beobachten. Da wachsen manche über sich hinaus, packen an, helfen und leisten ihren ganz persönlichen Beitrag dazu, diese Krise zu meistern und anderen Menschen zu helfen.

Jedoch sieht man nicht immer diejenigen mit den starken Armen und den breiten Schultern (und dem dicken Geldbeutel) an vorderster Front, so wie es eigentlich sein sollte, sondern die mit dem großen Herzen, die unser Herrgott mit Empathie und Mitgefühl, mit Schaffenskraft und Verantwortungsbewusstsein ausgestattet hat. Manch einer kann es aber auch in der Krise nicht lassen, zuerst an sich und dann an sich und zum Schluss an sich zu denken. So ähnlich muss es auf der Titanic auch gewesen sein.... Jetzt sind wir kein Schiff, sondern ein Unternehmen mit 1.000 Leuten an Bord – das ist die Mannschaft - und noch ein paar 10.000 Passagiere – das sind unsere Kunden, unsere Geschäfts-FREUNDE...

Wir haben schwere See, aber keine Schlagseite. Der Wind bläst von vorne, aber das ist für uns nichts Neues. Vielleicht müssen wir mehr rudern – ganz sicher sogar. Na dann machen wir das halt. Wahrscheinlich müssen wir auch schöpfen, dort, wo Wasser eingedrungen ist. Na und? Auch kein Problem! – Aber Rettungsboote klarmachen ist nicht. Und schon gar nicht „rette sich wer kann“ praktizieren oder gar „Mann über Bord“ befehlen. Das passt einfach nicht zu uns. Lieber herzhaft fluchen und kräftig anpacken anstatt sich gut gekleidet davon zu machen.

Wann haben Sie das letzte Mal etwas von unserer Konkurrenz gesehen oder gehört? Alle in Deckung, im Home-Office oder in Kurzarbeit. Der Einzige, der arbeitet, ist der Anrufbeantworter.... Wunderbar! Nichts anderes habe ich erwartet und zu nichts anderem ist ein multinationaler Großkonzern auch in der Lage. Die richtige Zeit und die einmalige Chance für einen Großangriff auf unsere Konkurrenz!!! Die Jungs gehen ja schon in normalen Zeiten in Deckung und haben Angst etwas falsch zu machen. Wir hingegen können jetzt so richtig loslegen und auftrumpfen. Wir können Gas geben und wir können zeigen, dass wir als Unternehmen unsere Aufgabe in der Gesellschaft - und für die Gesellschaft verantwortungsvoll wahrnehmen. Wir verkaufen wie die Weltmeister, aber wir helfen auch wie die Weltmeister. Da steckt kein Kalkül dahinter – das ist unsere Natur. Ich sehe doch, wie wir jeden Tag mit jeder Faser unseres Herzens, unserer Seele und unseres Hirns unser Allerbestes geben: Geld, Arbeitskraft und Mitgefühl. Anders kann und darf es doch auch gar nicht sein. Wen es jetzt auf seinem Sofa hält und wer jetzt abwartet bis alles wieder gut wird, hat nicht verstanden, wofür ein Unternehmen überhaupt da ist und was den Menschen eigentlich ausmacht.

Manche sprechen von der Wirtschaft einerseits und den Bürgern andererseits. Dieses Bild stimmt nicht. Die Bürger sind die Wirtschaft und die Wirtschaft besteht aus Bürgern. Schauen Sie mal in andere Länder, wie groß die Schmerzen für die Menschen sind, wenn die Wirtschaft zusammenbricht. Eine funktionierende und kontrollierte Wirtschaft ist die Quelle für Wohlstand, Sicherheit und auch für die Gesundheit der Menschen. Ich verlange von niemandem mehr als von mir selbst. Wir müssen jetzt der Wirtschaft und damit den Menschen dienen – in Deutschland und auch in all den Ländern, in denen Kunden und Freunde von uns leben und arbeiten. Zwei Drittel unseres Geschäftes machen wir über unseren Export außerhalb Deutschlands. Da kann man nicht nur nehmen, da muss man auch mal geben! Das ist das Mindeste was wir 1.000 jetzt in aller Konsequenz tun sollten, können, dürfen und müssen. Ich zähle auf Sie - so wie die letzten 30 Jahre. Und Sie können auf mich zählen!

Ihr

Ernst Prost